Dienstdolch - Infos von Sammlern für Sammler
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Im Sommer 1933 entschied der Stabschef Ernst Röhm, dass SA und SS mit unterschiedlichen Dolchen ausgestattet werden sollten. Hitler genehmigte dieses Vorhaben. Der Dolch war als eine Art Ehrendolch gedacht. Hitler wollte, dass der Entwurf des Dolches von einer ruhmreichen Vergangenheit inspiriert sein sollte. So entschlossen sich schließlich der SA-OberfĂŒhrer von Carlshausen und der MĂŒnchner Kunstprofessor Schmidt einen Schweizer Dolch aus dem 15 Jahrhundert , welcher sich im Bayerischen Armeemuseum befand als Vorbild zu nehmen.

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Am 15. Dezember 1933 entschied sich das SA-Hauptquartier offiziell fĂŒr die EinfĂŒhrung dieses Dolches, zum tragen mit der SA Uniform. Weihnachten 1933 wurden die ersten Dolche an hohe SA FĂŒhrer ausgeliefert. Diese Prototypen auch " Weihnachtsdolch " genannt, hatten am Griff den eigentlichen SA Adler und die Devise wurde komplett anderst ausgefĂŒhrt, das " A" in Alles wurde nicht in Frakturschrift ausgefĂŒhrt.

Sammlung : Vic Diehl Sammlung : Vic Diehl Image DevisenausfĂŒhrung der sogenannten " Weihnachtsdolche ".

 


 

Die eigentliche Produktion (dann mit anderem Adler und anderer Schreibweise der Devise) begann Ende Januar 1934.

Ende 1934 waren rund 3 Millionen SA MĂ€nner mit den Dolchen ausgestattet. Parallel dazu wurden auch fĂŒr die SS rund 220 000 Dolche angefertigt. Diese unglaubliche Leistung, verdankte man den Solinger Herstellern, die im Stande waren diesen gigantischen Auftrag innerhalb eines Jahres abzuarbeiten. Die Stadt die auch heute noch fĂŒr ihre Klingen bekannt ist profitierte von diesem Auftrag und die regionale Arbeitslosigkeit ging drastisch zurĂŒck.

Image Foto : RZM7

 

Man unterscheidet die Dolche in 3 Herstellungsvarianten:

  1. FrĂŒh 1933-1935
  2. Mittel 1936-1938
  3. SpÀt 1939-1942

 

Das SA Logo ist emailliert. Der Griff ist ĂŒberwiegend aus Birne, Ahorn oder Wallnuss, es kommen auch Griffe aus Buche oder Eichenholz vor. Die Farben der Griffe variieren von hellbraun bis zu dunklem braun. Der Hersteller Haenel verwendete ĂŒberwiegend sehr dunkle Griffe, wĂ€hrend der Hersteller Ernst Pack & Söhne die hellsten Griffe verwendet hat. Die Griffe haben hĂ€ufig alterungsbedingte Risse, AusbrĂŒche oder sie sind gestaucht.

Gelegentlich tauchen auch Dolche auf mit dem sogenannten Tigergriff.

Tigergriff eines Sauer & Sohn Dolches Sammlung: Autor Ralf Siegert Sammlung: Autor Ralf Siegert

 

Selten haben die Griffe das KĂŒrzel des Hersteller (Zulieferer) eingeschlagen.

Links ein Griff von einem Anton Wingen Dolch, rechts ein Sauer & Sohn Dolch Griff

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Es kommen bei allen Varianten, brĂŒnierte, lackierte und auch brĂŒnierte mit Zaponlack ĂŒberzogene Scheiden vor. Bei den lackierten Scheiden sollte man darauf achten, dass die Spinnennetzartigen Risse im Lack vorhanden sind.

Sammlung: Autor Ralf Siegert

 


 

FrĂŒhe Variante 1933 bis 1935

Endmutter, Parierstangen, BeschlĂ€ge der Scheide und der Adler und SA Abzeichen sind aus Nickel. Die KlingenĂ€tzung ist tief. Die untere Parierstange hat Buchstaben fĂŒr die jeweiligen SA Gruppen wie zum Beispiel Ns fĂŒr Niedersachen, No Nordsee usw. Die Gruppenmarken sind handgestanzt.

Die AusfĂŒhrung ist sehr gut und die Dolche sind sehr sauber gebaut. Herstellerzeichen sind auf der Klinge.

Die GehĂ€nge sind noch ohne Markierung. Ausnahmen bestĂ€tigen aber auch hier die Regel. BeschlĂ€ge, Scheiden, Parierstangen waren Zukaufteile und es gibt durchaus auch frĂŒhe Dolche die schon vernickelte StahlbeschlĂ€ge hatten.

Sammlung: Autor Ralf Siegert

 

Hier sehr schön die Querriffelung auch crossgraining oder pliesten genannt auf der Klinge zu erkennen, welche beim Schleifprozess durch die Abschlussarbeit des Schwertfegers entsteht! Wurde die Klinge nachtrÀglich poliert bzw. gereinigt, sind diese Streifen nicht mehr zu sehen.

 

Mittlere Variante 1936 bis 1938

Das Material ist noch wie bei den frĂŒhen Dolchen. Die Parierstangen haben jetzt keine Gruppenmarken mehr. Die Dolche sind in der AusfĂŒhrung immer noch gut bis sehr gut. Bei den GehĂ€ngen sind RZM Marken vorgeschrieben. Es kommen jetzt vereinzelt auch schon Dolche aus unterschiedlichen Materialien vor. Die RZM kontrolliert jetzt die Herstellung.

Es kommen jetzt hÀufig Doppelkennzeichnungen vor. Selten jedoch Doppelkennzeichen mit 1939, da ab 1939 nur noch RZM gekennzeichnet wurde.

Carl Eickhorn mit Doppelkennzeichnung. Sammlung: Autor Ralf Siegert

 

SpÀte Variante 1939 bis 1942

Die QualitĂ€t ist jetzt deutlich schlechter. Endmuttern und ScheidenbeschlĂ€ge sind jetzt ĂŒberwiegend aus vernickeltem Eisen. Die Parierstangen und der Adler sowie SA Pastille können aus Alu oder Zink sein. Die Herstellerzeichen sind verschwunden und wurden durch RZM Nummern ersetzt. Die Ätzung in der Klinge ist nicht mehr so tief. Die Griffe sind nicht mehr Handgemacht und die Aussparungen fĂŒr den Adler und das SA Logo sind unsauber, Adler sind zum Teil schief eingesetzt. Die Mittellinie des Griffes ist auch schĂ€rfer ausgeprĂ€gt. Unterschiedlich Materiellen sind möglich! Parierstangen aus Nickel Adler aus Alu usw.. Bei den GehĂ€ngen sind RZM Marken vorgeschrieben. In der Regel werden jetzt fĂŒr die Parierstangen, Adler und das Logo, vernickelte Teile aus Zinkspritzguss oder Temperguss oder Teile aus Aluminium verwendet. Die ScheidenbeschlĂ€ge sind aus vernickeltem Eisen.

C.D.Schaaff Solingen.

 

Zum Beispiel:
Unterabteilung M (Metall)
Gruppe 7 (Dienstdolch und Fahrtenmesser)
Hersteller 66 (Carl Eickhorn)
1939 (Herstellungsjahr)

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Es gab auch noch RZM Stempel mit einem kleinen h hinter der Nummer z.B.: RZM M7/1h. Das h steht fĂŒr  Hilfsbetrieb in diesem Falle fĂŒr die Firma Steineshoff.

Es kommen Dolche mit Klingenwidmungen oder auch Gravuren vor. Diese Dolche waren dann meistens Geschenke. Dienstdolche zu Geschenkzwecken waren bei der obersten SA FĂŒhrung auf dem Dienstweg an zu fordern. Die AuftrĂ€ge wurden dann in EinzelauftrĂ€gen an diverse Firmen bzw. Hersteller vergeben

Handelte es sich um weniger aufwendige Klingen und Gravuren, so konnten diese auch privat beschafft werden.

Dabei ist aber Ă€ußerste Vorsicht geboten, denn es ist absolut kein Problem, an einem Originalen SA Dolch eine KlingenĂ€tzung oder Klingengravur anbringen zu lassen um somit den Preis fĂŒr das StĂŒck erheblich zu erhöhen.

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Diese StĂŒcke sollte man sehr kritisch hinterfragen und nicht allzu voreilig einen Kauf tĂ€tigen, nur um ein besonderes StĂŒck in seiner Sammlung zu haben. Am besten und sichersten ist es, wenn es zu dem StĂŒck eine eindeutige und nachweisbare Herkunft mit z.B. TrĂ€gerfotos gibt oder man den ehemaligen TrĂ€ger persönlich kennt, was sich mehr als 60 Jahre nach Kriegsende schwierig gestaltet. Auch der Wiederverkauf solcher StĂŒcke ist dann eher schwierig. Es gibt zu viele "MĂ€rchenerzĂ€hler" und die Geschichte von dem Dachbodenfund glaubt so langsam auch keiner mehr.

 


 

Wie schon beschrieben, waren die Griffadler Zukaufteile und wurden von verschiedenen Firmen geliefert, somit gab es auch zahlreiche Varianten.

Hier mal eine Auswahl verschiedener " Modelle":

Sammlung: Hellracer1

1. Oben links : ED. WĂŒsthof, Solingen,
2. Oben mitte : Herbeck & Meyer, Solingen-Höhscheid,
3. Oben rechts : Hammesfahr, Solingen,
4. Mitte links : Perfectum, Solingen,
5. Mitte mitte : Franz Steinhoff, Solingen-Wald,
6. Mitte rechts : Friedrich August Schmitz, Solingen,
7. Unten links : Wilhelm Kober, Suhl,
8. Unten mitte : Anton Wingen jr., Solingen,
9. Unten rechts: E. P. & S. Solingen

 

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Zum Thema Zustand und Seltenheit möchte ich noch folgendes anmerken

  • Generell sollte man nach Zustand sammeln, dies erhöht auch die Chancen einen guten Preis beim Wiederverkauf zu erzielen. Was bei Sammler X Zustand 1 ist kann aber bei Sammler Y schon Zustand 2 sein, dass liegt immer im Auge des Betrachters.
  • Wer sich lĂ€ngerer Zeit mit dem Thema beschĂ€ftigt, der weiß, dass SA Dolche als Massenware hergestellt worden sind. Und wer den Markt beobachtet erkennt, dass z.B. ein Eickhorn Dolch hĂ€ufiger auf dem Markt anzutreffen ist als z.B. ein Dolch von dem Hersteller Ernst Dirlam.
  • In der deutschen Sammlerszene ist der Fisher Quick sehr bekannt und wird hĂ€ufig zur Seltenheitsbestimmung der Dolche herangezogen.
  • Die Amerikaner schwören eher auf die Mc Sarr Rarity  Liste zur Seltenheitsbestimmung der Dolche.
  • Diese Zahlen sind SchĂ€tzwerte unterstĂŒtzt durch jahrelange Marktbeobachtungen. Welcher Hersteller welche StĂŒckzahlen produziert hat wird sich wohl nie mehr genau ermitteln lassen.
  • Dennoch finde ich sind diese zwei Publikationen gute Nachschlagewerke die man zur Seltenheitsbestimmung heranziehen kann.
 






   
 
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